And all the air is filled with pleasant noise of waters.

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Category: Irgendwas mit Startnummern

I can almost see them

Nochmal OL, diesmal fast daheim. Das Gute ist: mein letzter Jogg war ein Trainings-OL, auf genau dieser Karte. Nicht so gut: das war vor zwei Monaten. Da muss ich wohl mangelnde Fitness durch überragende geistige Leistungen ausgleichen, ich bin gespannt.

Schon die Anfahrt zum Bergstart ist enorm anstrengend, ich bin enorm müde, es ist überraschend sonnig, aber immerhin im Wald dann ja schattig und kühl. Übrigens machen wir heute Postennetz-OL – ich hab noch nie Postennetz-OL gemacht, habe keine Ahnung, wie man da vorgeht, halte mich dann an meine MTBO-Erfahrung und steh also mit Stift am Start, um erstmal ein paar Sekunden rumzustehen und ne Verbindungslinie zu malen. Zehn Sekunden mehr, um zuvor nochmal scharf über die Höhenlinien nachzudenken, wären gut investiert gewesen.

Egal, die erste Hälfte läuft halbwegs, kleine Unsicherheiten stören mich nicht weiter und kosten auch wenig Zeit, aber ab der Hälfte wird meine Strecke zunehmend gemüsig und ich immer langsamer da mittendurch. Ich stolpere ins Tal, wieder hoch, durch diverse Gräben und ins nächste Seitental und das hätte man doch vermutlich alles irgendwie schlauer und mit weniger Höhenmetern planen können. Zudem gibt’s nun keinen Weg mehr, dafür aber einen Wildwechsel auf halber Höhe, den ich also nutze und dabei in jeden Graben gucke, keinen Posten sehe, dafür aber irgendwann die Startwiese und da ich somit deutlich zu weit bin und ganz klar keine Orientierung mehr habe, fällt mir nix besseres ein, als auf die Wiese raus und von oben vom Weg aus in die gesuchte Rinne reinzulaufen, was immerhin funktioniert, aber meine Laune ist dann schon nicht mehr so super.

Schnaufend zurück ins Tal, übern Bach, wieder hoch zum nächsten Posten, und weil der letzte Posten querfeldein deutlich kürzer ist als auf dem sanft bergab führenden Weg, lauf ich also querfeldein, wurschtele mich durch eine Brombeerschneise und rutsche danach viel zu steil und nicht eben kontrolliert bergab, nur um schließlich festzustellen, dass man den Wurzelstock mit dem Posten vom Weg aus einwandfrei gesehen und easy erreicht hätte. Ab ins Ziel, komplett im Arsch, und als ich dann ein letztes Mal den Bach überquere, um zurück zum Start zu spazieren, flute ich mir schließlich aus Dummheit doch noch den Schuh, prima. Aber im Ziel isses schön, ich hab alle Posten und freu mich nun doch und außerdem gibt’s Zielverpflegung, yay, doch gerne wieder.

Uncertainty excites me baby

Wir fahren ein Gravelbrevet. Weil Pfote uns alle dazu angestiftet hat. Was Gravel ist, weiß ich nicht so richtig, und es erschließt sich mir auch nicht: wenn ich Spaß im Dreck haben will, dann nehm ich das Mountainbike und kann damit alles fahren (oder zumindest dynamisch tragen); wenn ich aber lang und weit fahren will, such ich mir doch halt weniger wurschtige Wege und nehm das Rennrad.

Gravel, das ist die Sportart für Menschen, die Freude daran haben, hundert Kilometer grasige Feldränder zu fahren, weil das so hevorragende “Verbindungsstrecken” sind. Ich bin eher nicht die Zielgruppe, aber es scheint ok zu sein, auf beliebigen Rädern teilzunehmen, und Pfote hat mich ja für meine wertvollen Softskills eingeladen: ich bin extrem gut darin, andere Menschen zu ignorieren, weshalb ich konstant mein eigenes Tempo trete und Pfote davon abhalte, eifrig mit irgendwem davonzuziehen und nach zwanzig Kilometern vor Erschöpfung vom Rad zu fallen, und außerdem bin ich der Antisocializer und unterbinde jeglichen Versuch von Pfote, mit irgendwem rumzustehen und profunde Gespräche über Sattelhersteller und Lenkerbreiten zu führen.

Radfahren ging also gut, die Strecke befand sich aber halt in der Leipziger Tieflandsbucht und bot weder viel Abwechslung noch Höhenmeter (“Ab jetzt wird’s wieder flacher.” – “Als ob das jemals nicht flach gewesen wär!”), insofern war’s eher eine mentale Herausforderung. Zusätzlich auch dadurch, dass wir nie zuvor gemeinsam mit Pfote Rad gefahren waren: Pfote fährt ja gern mit Menschen Rad, um mal zu reden, ich hingegen fahr gern ohne Menschen Rad, weil ich beim Radfahren am liebsten zehn Stunden gar nicht reden möchte, aber nachdem das dann geklärt war, fuhr ich einfach in 50m Abstand hinterher und hatte himmlische Ruhe.

Versorgung war auch prima, Extrapunkte für den “Kartoffelkäfer” aus Pegau, den ich hiermit offiziell zum besten Gebäck der Welt erkläre, und auch das Wetter hielt beinahe durch, nur ein Schauer 20km vor Schluss sorgte nochmal für Panade auf Arsch und Beinen, damit waren wir schneller als erwartet zu Sonnenuntergang zurück in Leipzig bei den ganzen anderen Gravelfahrern mit ironischen Schnauzbärten und unironischen Fahrradkäppis und konnten uns im Ziel an den veganen Schnittchen erfreuen, die ich aufgrund meines Hungers auch für überragend hielt. Reicht.

I’ve been sitting far too long

So, Pandemie ist vorbei, so scheint es zumindest auf dem Wochenmarkt, und es gibt wieder Wettkampf. Erprobtes Konzept: ich war seit Ostern nicht laufen, aber lass ma gleich zu zwei Läufen anmelden, da laufen wir wenigstens mal. Kann ja nur gut werden. Zudem findet der Oberlausitzer OL direkt an der Tschechischen Grenze statt, ich komm also zumindest zu Fuß mal kurz ins Ausland – wie aufregend!

Auch das Wetter spielt hervorragend mit: nachdem ich ich zwei Tage vorm Rennen noch kurz vorm Hitzschlag war, ist es nun grau und kühl, optimale Laufbedingungen, und optimale OL-Bedingungen, denn anscheinend hat’s hier in letzter Zeit genug geregnet, dass man die Sümpfe auch als solche erkennen kann. Viele Sümpfe, bei der Mitteldistanz am Morgen ist alles voller Sümpfe, die ich wie durch ein Wunder quasi schwebend und trockenen Fußes durchquere, bis ich mir kurz vorm letzten Posten doch noch die Schuhe flute. Da war also viel schönes dabei, alles gefunden hab ich auch trotz des verwirrenden Nordpfeils, der auf tschechischen Karten halt mit “S” beschriftet ist, nur schneller bin ich trotz meiner vorbildlichen Regeneration irgendwie nicht geworden – die OL-Kinder hüpfen alle gazellengleich durch den Wald, ich fühl mich eher wie ein Dachs mit Winterspeck.

Deshalb üben wir das am Nachmittag gleich nochmal beim Sprint, schon auf dem Weg zum Start ziept mein Popo bedenklich. Das haben die Bahnleger berücksichtigt und gleich mal einen ansehnlichen Hügel vor meinen zweiten Posten gelegt, den man quasi auf allen vieren, eine tiefgrüne Fläche auf der Karte durchquerend, erklimmt. Das Hauptproblem ist, dass hier die Posten so dicht stehen, dass meine halbgenaue Orientierung nicht reicht für ein eindeutiges Denkergebnis, da bin ich also noch ein paar mehr Posten angelaufen als unbedingt nötig. Aber da lauf ich wenigstens mal, vielleicht wird’s ja wieder, ne. Daumen drücken.