Any day could be the last nice day for a long time.

Category: Irgendwas mit Comics

Whatever happened to a quiet simple life?

Juja mit verzogenem Gesicht auf dem Schmutzfink über einen Wurzelteppich holpernd

Mitte April, jetzt also erster scharfer Einsatz, Deutschlandcup-Wochenende in Ostsachsen. Vor einer Woche haben wir die Rennradsaison gestartet und mein Unterboden leidet immer noch darunter, und die Mittelstrecke am Samstag bei Neugersdorf kommt dem nicht entgegen: es gibt Unmengen von Wurzeln in diesem Wald, kann man unmöglich alle wegfedern, also kriegt mein Unterboden ordentlich Prügel und ich muss immer mal jaulen. Aber zum Glück hab ich im Sport ja masochistische Tendenzen, kann also trotzdem die Sonne und das Rennen genießen – nachdem ich gleich am ersten Posten vorbeigefahren bin, ist das Hirn dann auch wach und kooperiert bis zum Schluss, und auf Platzierung musste ich gar nicht erst hoffen, denn wir sind fast in Tschechien und da wird das Treppchen verlässlich von Tschechinnen (und Anke) besetzt – die Hauptsache ist also das Kuchenbuffet, das war herausragend (“Da haste aber sehr dicke Stücke geschnitten.” – “Na wir nehmen ja auch EINEUROFÜNFZIG dafür!”).

Vielfach mit Ästern verlegter breiter Weg durch den Wald, sich entfernend ein kleiner Radfahrer

Sonntag gibt’s noch ne Langstrecke bei Hagenwerder, diesmal ohne Sonne und etwas kühler, aber es findet sich trotzdem Gelegenheit zum Schwitzen. Die Bahn ist anstrengend schön (zweimal schieb ich senkrecht hoch auf diesen Kackberg. Weil ich halt keine sinnigeren Hobbies hab), Ostsachsen ist landschaftlich reizvoll, nur menschenlandschaftlich leider nicht so: zwei Volltrottel haben auf der Schotterstraße im Norden zahlreiche Hindernisse gelegt, pöbeln mich im Vorbeifahren an, ich hör sie auch von weitem noch rumbrüllen und sie greifen andere Teilnehmer sogar mit ihren Walkingstöcken an, eh sie schließlich noch einen der Posten klauen; das beeinträchtigt erheblich meine gute Laune und auf der zweiten Runde wird meine Routenwahl auch davon bestimmt, diesen Kloppis möglichst nicht nochmal zu begegnen. Schade für das Rennen, das sonst ja sehr gut war – so gab’s statt Siegerehrung Zeugenbefragungen der Polizei, nun ja, Irma hat ja recht, Idioten gibt’s überall…

Are you ready to be glorious?

Juja steht mit Rad im Matsch neben einem Wäldchen, in dem sehr unauffällig ein Miniposten hängt, und grübelt: 'Hä, der muss doch ganz genau hier sein?

Achtung, dies ist eine Übung! Mal wieder Saisonstart im März. Zu früh für mich, um schon ernsthaft Rad gefahren zu sein, aber heut ist ja auch nur Sachsencup (Jugendrennen, die Erwachsenen fahren nur aus Spaß mit) im Wald bei Werdau. Das Wetter ist freundlicher als erwartet und in Winterkleidung wärmt die Sonne ausreichend, und auch die Karte der Offenen Klasse ist freundlich zum Hirn – ich neige ja eh dazu, schlechte Beine durch Forstautobahn zu kompensieren, und diese Taktik ist heute genau richtig, da komm ich also gut durch trotz der manchmal doch recht unauffällig gehängten Miniposten, die erst in 20cm Distanz ein Signal abgeben (zweimal hab ich, Präzisionsorientierung ahoi, praktisch auf dem Posten gestanden, ihn aber erst nach 10sek entdeckt). Mittelmäßiges Ergebnis, halt gleiche Wertungsklasse wie Anton, das konnte ja nur traurig enden (Justus: “Willkommen in meiner Welt!”), aber nun haben wir gut geübt und sind bereit für die kommenden Rennen.

Ein unsichtbarer Handschuh

Justus schiebt Juja beim Radfahren auf einer flachen Straße mit Leitplanke unter grauem Himmel

Doch noch kein Winterschlaf: überraschend gibt’s noch einen November-MTBO in Markkleeberg, auf persönliche Einladung, die uns Pfote weiterleitet, dann aber vor lauter Angst vor Wetter selbst nicht mitfahren will (dabei schrob der Veranstalter “Wetter ist eine innere Einstellung”). Und da hat er was verpasst: Kälte und Nässe blieben abwesend, und im Briefing wurde gefragt, ob wir auch alle Badesachen dabei haben – es ist also offenbar Sommer und das hier eine erfreulich unernste Veranstaltung. Spätestens aber mit Ausgabe der Karte (1:40000, da muss man immerhin nicht soviel Falten und Umbasteln, aber gibt halt auch keine Höhenlinien und Übergänge über Bahntrasse und Autobahn sind nicht erkennbar) konnte man alle Ambitionen zu strategischer Detailplanung fahren lassen – hier ist Glück eine elementare Erfolgskomponente.

Justus und Juja stehen auf den Rädern auf einem Weg, der in einen trüben See übergeht, in dem Gewächse stehen

Und das hatten wir in ausreichendem Maße, und in die Lücken stopften wir fröhliche Sturheit: vorm dritten Posten verwandelte sich der Weg überraschend in einen See, also verwarfen wir flink den Plan und machten kehrt, fanden dann keinen Übergang über die Bahn, kraxelten schließlich senkrecht eine Böschung hoch auf ein totes Stück ehemalige Schnellstraße und kamen so weiter. Im Süden strich Justus fleißig Posten, die alle zuviel Zeit gekostet hätten, denn auch so waren wir eine Stunde vor Zielschluss irgendwie in der diagonal dem Ziel gegenüberliegenden Ecke der Karte und mussten noch ganz ordentlich sprinten (Justus schob mich mehrmals!) – in Justus’ Fall mit nassem Fuß, denn der Hinweis auf Badesachen war berechtigt, drei Posten waren nur mit einem beherzten Schritt durchs Wasser zu erreichen. Schließlich drängte ich, noch den “verkieselten Xylit” mitzunehmen, was uns 5 Minuten Strafzeit, aber nochmal 5 Punkte mehr einbrachte – und damit den Sieg, hurra!

Justus steht mit einem Fuß knöcheltief im Wasser, um einen Posten auf einer Mole neben dem mit Steinen befestigten Ufer zu lochen, im Hintergrund ein leuchtender Himmel vor zwei Kühltürmen

Die eigentlich beste Idee war aber das Mitbringbuffet, denn wenn da über 70 Teams am Start stehen, die alle was beisteuern, dann gibt’s sehr ordentliche Verpflegung – sogar für uns, obwohl wir in der letzten Startgruppe losgefahren waren, was bei einem Score-Wettkampf halt dazu führt, auch als letzte anzukommen, und da hatten die anderen schon das halbe Buffet aufgefressen. Aber die andere Hälfte war super, da kommen wir gerne wieder!