Any day could be the last nice day for a long time.

Møns Klint

Schroffe Kreideküste mit einsamem Strand

“Soll man die Segel streichen und dem Erlebnis ausweichen, sobald es nicht vollkommen danach angetan ist, Heiterkeit und Vertrauen zu erzeugen? Soll man ‘abreisen’, wenn das Leben sich ein bißchen unheimlich, nicht ganz geheuer oder etwas peinlich und kränkend anläßt? Nein doch, man soll bleiben, soll sich das ansehen und sich dem aussetzen, gerade dabei gibt es vielleicht etwas zu lernen.” – Thomas Mann, “Mario und der Zauberer”

Whatever happened to a quiet simple life?

Juja mit verzogenem Gesicht auf dem Schmutzfink über einen Wurzelteppich holpernd

Mitte April, jetzt also erster scharfer Einsatz, Deutschlandcup-Wochenende in Ostsachsen. Vor einer Woche haben wir die Rennradsaison gestartet und mein Unterboden leidet immer noch darunter, und die Mittelstrecke am Samstag bei Neugersdorf kommt dem nicht entgegen: es gibt Unmengen von Wurzeln in diesem Wald, kann man unmöglich alle wegfedern, also kriegt mein Unterboden ordentlich Prügel und ich muss immer mal jaulen. Aber zum Glück hab ich im Sport ja masochistische Tendenzen, kann also trotzdem die Sonne und das Rennen genießen – nachdem ich gleich am ersten Posten vorbeigefahren bin, ist das Hirn dann auch wach und kooperiert bis zum Schluss, und auf Platzierung musste ich gar nicht erst hoffen, denn wir sind fast in Tschechien und da wird das Treppchen verlässlich von Tschechinnen (und Anke) besetzt – die Hauptsache ist also das Kuchenbuffet, das war herausragend (“Da haste aber sehr dicke Stücke geschnitten.” – “Na wir nehmen ja auch EINEUROFÜNFZIG dafür!”).

Vielfach mit Ästern verlegter breiter Weg durch den Wald, sich entfernend ein kleiner Radfahrer

Sonntag gibt’s noch ne Langstrecke bei Hagenwerder, diesmal ohne Sonne und etwas kühler, aber es findet sich trotzdem Gelegenheit zum Schwitzen. Die Bahn ist anstrengend schön (zweimal schieb ich senkrecht hoch auf diesen Kackberg. Weil ich halt keine sinnigeren Hobbies hab), Ostsachsen ist landschaftlich reizvoll, nur menschenlandschaftlich leider nicht so: zwei Volltrottel haben auf der Schotterstraße im Norden zahlreiche Hindernisse gelegt, pöbeln mich im Vorbeifahren an, ich hör sie auch von weitem noch rumbrüllen und sie greifen andere Teilnehmer sogar mit ihren Walkingstöcken an, eh sie schließlich noch einen der Posten klauen; das beeinträchtigt erheblich meine gute Laune und auf der zweiten Runde wird meine Routenwahl auch davon bestimmt, diesen Kloppis möglichst nicht nochmal zu begegnen. Schade für das Rennen, das sonst ja sehr gut war – so gab’s statt Siegerehrung Zeugenbefragungen der Polizei, nun ja, Irma hat ja recht, Idioten gibt’s überall…

Are you ready to be glorious?

Juja steht mit Rad im Matsch neben einem Wäldchen, in dem sehr unauffällig ein Miniposten hängt, und grübelt: 'Hä, der muss doch ganz genau hier sein?

Achtung, dies ist eine Übung! Mal wieder Saisonstart im März. Zu früh für mich, um schon ernsthaft Rad gefahren zu sein, aber heut ist ja auch nur Sachsencup (Jugendrennen, die Erwachsenen fahren nur aus Spaß mit) im Wald bei Werdau. Das Wetter ist freundlicher als erwartet und in Winterkleidung wärmt die Sonne ausreichend, und auch die Karte der Offenen Klasse ist freundlich zum Hirn – ich neige ja eh dazu, schlechte Beine durch Forstautobahn zu kompensieren, und diese Taktik ist heute genau richtig, da komm ich also gut durch trotz der manchmal doch recht unauffällig gehängten Miniposten, die erst in 20cm Distanz ein Signal abgeben (zweimal hab ich, Präzisionsorientierung ahoi, praktisch auf dem Posten gestanden, ihn aber erst nach 10sek entdeckt). Mittelmäßiges Ergebnis, halt gleiche Wertungsklasse wie Anton, das konnte ja nur traurig enden (Justus: “Willkommen in meiner Welt!”), aber nun haben wir gut geübt und sind bereit für die kommenden Rennen.