Any day could be the last nice day for a long time.

Hogswatch Race

Juja auf dem Rad in einem Wiesenweg, der aus tiefem Matsch besteht

So, im Oktober ist Finale, und zwar mit voller Kraft: MTBO-Wochenende in Hohenfelden, Samstag DM Lang und Finale des Deutschlandcups und Sonntag das letzte Teamrennen des Vierländercups. Gleichzeitig soll kurz mal der Winter einbrechen, bei geplanten Nachttemperaturen um den Gefrierpunkt haben wir dann doch bisschen mehr Kleidung eingepackt. Und einen der etwas ranzigen, aber beheizbaren DDR-Bungalows gemietet – im MTBO-Kontext zählt das schon als krasser Luxus, Jule kuschelt derweil im Bus mit ihren frierenden Hunden und Eik kratzt morgens Eis vom Zelt.

Justus und Juja in Winterfahrradkleidung, umgeben von kleinen Eiskristallen. Juja pustet ihre Hände warm

Erstmal müssen wir aber das auch schon kalte Einzelrennen überleben, “Warmfahren” ist heut nicht, alles an mir ist eisig, auch nach drei Runden noch, und der Wald ist dunkel und feucht. Zum Glück hat Hohenfelden aber immerhin ne bergige Umgebung, es geht also bald hoch und auch die sonstigen Tücken halten warm: eine rumplige Wildschweinabfahrt (zum Glück haben da schon 20 Starter vor mir ne Spur reingedrückt), ein toter Posten und dann halt tote Beine, meine Güte, ich hab keine riesigen Fehler gemacht, aber war einfach langsam. Somit komm ich dann kurz vor Ende der Liste rein und freu mich hauptsächlich über heiße Nahrung vom Seeimbiss.

Drei Radfahrer stehen um einen OL-Posten, halten SI-Chips ran oder lauschen, einer sagt 'Ja piept der jetzt mal oder was?!'

Am Sonntag Morgen können wir uns den Raureif auf unseren Sätteln aus der warmen Stube begucken, eh wir warm eingepackt zum Start des Teamrennens rollen. Es gibt die gleiche Karte wie im Vorjahr mit paar neuen Posten, der Riechheimer Berg ist wieder dabei und also beschließen wir, das diesjahr andersrum zu planen, sodass wir in der ersten Stunde aufm Berg sind und nicht erst kurz vor Schluss da hoch müssen. Da gibt’s sogar einen Getränkeposten mit heißem Tee für die Trinkflasche, aber der wird eh gleich wieder kalt, während wir durch Wald und Feld bolzen.

Juja am Verpflegungsstand mit Trinkbecher, daneben ein Post-It-Memo 'Nächstes Mal: 70% heißer Schwarztee 30% kalte Cola'

Läuft ganz gut; nach 2h brech ich bisschen ein und hab Mühe, an Justus dranzubleiben, aber nach 3h bricht Justus bisschen ein und wir können wieder gut zusammen fahren. Und dann wird das anscheinend das eine Rennen, in dem ich optimistischer plane als mein Partner, denn auch diesmal hätt ich noch einen Posten mehr für möglich gehalten, Justus wählte ihn aber ab – hat nix geändert am Ergebnis, zum Saisonabschluss nochmal ein überraschender zweiter Platz in einem starken Teilnehmerfeld, damit können wir jetzt gut in den Winterschlaf übergehen.

Ještěd

Bronzener weinender Alien vor raumschiffartigem Gebäude

“Es kann recht amüsant sein, den entwurzelten Vagabunden zu spielen, solange man am Ende ein Zuhause hat, in das man heimkehren kann.” – Klaus Mann, “Der Wendepunkt”

Too hot (hot damn)

Justus und Juja auf dem Rad mit vom Wind verwehtem Haar und wegwehendem Zettel über ihren Köpfen, die Vegetation im Hintergrund biegt sich

Das Wettkampfjahr (ja, wir arbeiten immer noch 2025 auf) lief ja bisschen schwergängig an, da müssen wir hintenraus alles mitnehmen, was noch geht. Jetzt also das traditionelle spätsommerliche Leitersprossenzählen aka MTBO-Challenge in Briescht an der Spree.

Der Sommer tritt nochmal nach und überraschend ist es heiß, vergessen die Bedenken um kurze Radkleidung, stattdessen brauchen wir vor allem genug Wasser. Die Landschaft ist freundlich und abwechslungsreich, wellig und ordentlich windig, irgendwie weht er uns gefühlt immerzu ins Gesicht und schließlich trägt der Sturm auch unseren Wertungszettel weg – zum Glück ist Justus Master of Memory und kann alle schon gefundenen Buchstaben und Zahlen direkt auf die Karte nachtragen, da sollten wir also nur bisschen Zeit verloren haben.

Juja auf dem Rad vor einer freundlichen Omi mit Kuchenbasar und Kaffeekanne vor sich auf dem Tisch

Im Norden der Karte warten dann auch noch die üblichen Brandenburger Sandgruben und Schneisen, völlig unklar, was in diesem sinnlos anstrengenden Wald als Weg gedacht ist, aber Justus findet ihn. Ich bin derweil zunehmend im Eimer und möchte im Moos sterben oder mindestens am Kuchenbasar in Möllendorf pausieren, aber Justus treibt uns weiter. Wenn ich mir nur was von Annettes Euphorie ausborgen könnte, die uns jedesmal mit strahlendem Lächeln entgegenkommt! Aber heut nicht, heut wird das alles Arbeit, inklusive garstigem Zielsprint. Mehr ging nicht. Und was haben wir eigentlich für ne absurde Erwartungshaltung erzeugt, dass uns bei nem feinen 5. Platz schon alle fragen, was da schiefgegangen ist?