Any day could be the last nice day for a long time.

Category: Irgendwas mit Startnummern

Too hot (hot damn)

Justus und Juja auf dem Rad mit vom Wind verwehtem Haar und wegwehendem Zettel über ihren Köpfen, die Vegetation im Hintergrund biegt sich

Das Wettkampfjahr (ja, wir arbeiten immer noch 2025 auf) lief ja bisschen schwergängig an, da müssen wir hintenraus alles mitnehmen, was noch geht. Jetzt also das traditionelle spätsommerliche Leitersprossenzählen aka MTBO-Challenge in Briescht an der Spree.

Der Sommer tritt nochmal nach und überraschend ist es heiß, vergessen die Bedenken um kurze Radkleidung, stattdessen brauchen wir vor allem genug Wasser. Die Landschaft ist freundlich und abwechslungsreich, wellig und ordentlich windig, irgendwie weht er uns gefühlt immerzu ins Gesicht und schließlich trägt der Sturm auch unseren Wertungszettel weg – zum Glück ist Justus Master of Memory und kann alle schon gefundenen Buchstaben und Zahlen direkt auf die Karte nachtragen, da sollten wir also nur bisschen Zeit verloren haben.

Juja auf dem Rad vor einer freundlichen Omi mit Kuchenbasar und Kaffeekanne vor sich auf dem Tisch

Im Norden der Karte warten dann auch noch die üblichen Brandenburger Sandgruben und Schneisen, völlig unklar, was in diesem sinnlos anstrengenden Wald als Weg gedacht ist, aber Justus findet ihn. Ich bin derweil zunehmend im Eimer und möchte im Moos sterben oder mindestens am Kuchenbasar in Möllendorf pausieren, aber Justus treibt uns weiter. Wenn ich mir nur was von Annettes Euphorie ausborgen könnte, die uns jedesmal mit strahlendem Lächeln entgegenkommt! Aber heut nicht, heut wird das alles Arbeit, inklusive garstigem Zielsprint. Mehr ging nicht. Und was haben wir eigentlich für ne absurde Erwartungshaltung erzeugt, dass uns bei nem feinen 5. Platz schon alle fragen, was da schiefgegangen ist?

Don’t be afraid to lose control

Juja mit Melone: 'Ich habe eine Wassermelone getragen!'

Mal wieder MTBO mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad: jeder Mentaltrainer wird davon abraten, sich zwei Tage vor einem Wettkampf, in dem man womöglich auch was denken muss, mit Brüchen in der eigenen Erwerbsbiographie zu beschäftigen, aber manchmal passiert’s halt. Außerdem verbring ich die Zeit, in der andere trainieren, grad mit Radreparaturen der Sorte “oh, wo ist denn plötzlich der Bremsdruck hin” – hab den Bremsdruck zwar rechtzeitig wiedergefunden, aber dafür hakelte im Rennen dann plötzlich die Schaltung, irgendwas is immer.

Juja fährt an einem OL-Posten vorbei einen Trail runter

Und dann halt die Mittelstrecke in Dresden Rähnitz: Träumchen, Denken ohne Ende. Es beginnt in einem Sandparcours, wo irgendwer Trails reingeschaufelt hat, schon hier viel Schieben und Fluchen und nochmal zurück. Im etwas gröberen Norden der Karte liegen auch mehr Hügel, als ich vermutet hätte. Aber ich fahr was geht und bin ziemlich zufrieden mit meinem Tempo im Vergleich zur restlichen Damenelite – wir sind heute zu dritt, wenn man sich also nicht ganz doof anstellt, sollte das klappen mit dem Treppchen, aber im Ziel finde ich raus, dass ich mich halt doch ganz doof angestellt hab, denn am fünften Posten hatte ich zwar noch den Gedanken, dass das irgendwie alles nicht so richtig passt, aber dass ich den falschen Posten gelocht hab, konnte ich nicht mehr schlussfolgern. Besorgte Fragen, wieso ich DSQ bin, was da los – strahlende Dummheit, das war los (und es wär sogar Siegzeit gewesen, argh).

Justus vorm Regenbogen

Ok, noch ne Chance am Sonntag, 4h Score im Zweierteam ab Moritzburg, wir starten im Modus “zwei halbe Hirne sind ein ganzes”. Justus fräst sich durch die kleinteiligen Gartensiedlungen und meine geistige Minimalleistung reicht grad noch für gelegentliche Fehlerkorrekturen und solide Feinorientierung am Posten; zum Glück bremst uns meine Gammelschaltung grad genug aus, dass an den meisten Kreuzungen ne Sekunde zum Denken bleibt.

Justus: 'Hier ist keine Lichtung.' - Juja: 'Das ergibt doch alles keinen Sinn.'

Dann komm ich leider auf den Gedanken, dass wir den wertvollen Posten ganz im Nordwesten ja noch schaffen könnten, und Justus missdeutet das als Aufforderung zur großen Panoramarunde, da grasen wir jetzt einmal den ganzen Norden ab und ballern mit Kette rechts und minimalem Rückenwind dahin, als ob wir für sowas die Waden hätten. Ich zähle mit und meine Rechnung geht leider überhaupt nicht auf, ich mach also bisschen Stress, wie wir bitte rechtzeitig ins Ziel kommen wollen und deshalb lassen wir dann einen Posten am Weg liegen, der uns womöglich noch den zweiten Platz beschert hätte, aber ich bin auch so ausreichend im Eimer und Kuchenbuffet gibt’s eh für alle, juhu.

No need to look so afraid

Schwimmerin mit oranger Kappe im Wasser

9 Jahre nach dem letzten Versuch, es ist sehr lange her, bekomme ich eine Einladung zur Überquerung des Starnberger Sees – erster Reflex: ja klar, warum nich? Anja hat auch Bock, ich prüfe also kurz, ob ich überhaupt noch n Kilometer schwimmen kann, dann melden wir uns an. Zwei Wochen vorm Termin bricht sich Anja ungünstigerweise den Arm, also schwimm ich wohl alleine (mit den 198 anderen Teilnehmis), hm. Und ich hab mir auch schonmal weniger Gedanken darüber gemacht, wie ich wohl über diesen See komme (4,2km Ideallinie). Aber immerhin kriegen wir mal wieder Idealbedingungen: 22°C Wasser, Sonnenschein, und dazu ordentlich Rückenwind, ich werde also doch in deutlich unter 2h mit euphorischem Grinsen ins Ziel getrieben, g’schafft, mermaid glitter ftw!