Any day could be the last nice day for a long time.

Category: Irgendwas mit Startnummern

Too late, swept away

Ok, irgendwer hat sich ausgedacht, dass MTBO in Wernigerode am ersten Samstag im Mai stattfindet. Aber hat diese Person mal drüber nachgedacht, dass das leicht das lange Wochenende mit der Walpurgisnacht am Brocken sein kann und da alle Menschen dieser Welt in Wernigerode sein werden? Ich kam da allerdings auch erst drei Tage vorm Rennen drauf – zu spät, um noch einen offiziellen Platz fürs Zelt zu reservieren, da schlafen wir also im Wald und machen ein Bikepackingerlebnis draus. Und das war vermutlich auch das beste, was uns hätte einfallen können, denn die Stadt ist wirklich absurd voll, man findet kaum einen Sitzplatz im Biergarten, im Wald dagegen gibt’s Ruhe und unsere einzige Gesellschaft sind paar Fledermäuse. Läuft.

So stehen wir also gut erholt am Start zum inzwischen 5. Orientierungsfahren der Wernigeröder, wie schon letztes Mal ab Sprungschanze Zwölfmorgental, erfreulich weiter professionalisiert (jetzt mit SI-Chips! Und personalisierten Startnummern!), aber immer noch in gut durchmischter Gesellschaft – von Orientierungsveteranen bis völligen Neueinsteigern, die das mit Karte in der Hosentasche mal ausprobieren wollen, ist alles dabei. Da hilft’s, dass wir die Karte schon zehn Minuten vorm Start kriegen und somit der dreiviertle Plan stabil steht, bevor wir losrollen – 3h Score einzeln oder zu zweit ist hier der Modus, Justus und ich haben uns für Einzelrennen entschieden und besser isses vielleicht, wir starten direkt in entgegengesetzte Richtungen.

Mein Gedanke war, durch Wernigerode muss ich gleich am Anfang navigieren, später bringt das mein Hirn nicht mehr. Das klappt, und sogar so gut, dass einer der Herren, die gleich am Start vor mir davongerauscht waren, mich erst ne Viertelstunde später außerorts wieder einholt. Hätt ich den mal besser im Auge behalten, hätt ich mir vielleicht auch die Fehlentscheidung erspart, einen Grasweg zu nutzen, der auf den ersten Blick zwar ganz fahrbar aussieht, binnen kurzem aber doch ganz schön rumpelig und scheiße wird. Na, bisschen Blödheit ist immer.

Weiters werde ich nach ungefähr ner Stunde gebremst von einem weichen Hinterrad, was ich aufs Fehlen von Glücksbringernagellack an meinen Fingern schiebe, naja, hilft ja nischt, schnell n neuen Schlauch einbauen und weiter zum Sonderposten: an einem Häuschen gibt’s statt Posten eine Karte, wo zwei weitere Posten zu finden sind, und dafür bin ich meine Runde leider falschrum gefahren, denn für beide muss ich nochmal ein Stück zurück und außerdem ganz bisschen Herumirren, Feinorientierung läuft diesmal nicht so super.

Ja, und dann war der Plan, zur Mittagshitze in den Wald zu fahren, wo ich Schatten hab, aber das war halt auch schlecht gedacht, denn wir sind im Harz und da stehen im Wald ja keine Bäume mehr! Und so kämpfe ich mich dann ein sehr langes, sehr heißes Tal hoch zum Bergposten; ein überholtes Wanderkleinkind schmeißt sich demonstrativ auf den Weg und kann nicht mehr und ich fühl’s. Trotzdem komm ich irgendwann auf dem Berg an, umgeben von zehn E-Mountainbikes, die ab da Trails runterfahren wollten, aber ich Depp ja nicht, ich muss hier nur kurz n Chip reinstecken und dann Richtung Ziel. Pünktliche Rückkehr wird inzwischen auch schon bisschen sportlich, ich nehm nur noch zwei wertvollen Bergposten mit und lass zwei weitere simple Posten am Weg liegen und dann muss ich doch nochmal durch Wernigerode navigieren, aber es gelingt mir, mit nur 5min Verspätung einzureiten und den zweiten Platz zu belegen, wofür’s eine Siegprämie aus Schierker und Baumkuchen gibt, alles richtig gemacht also.

Whatever happened to a quiet simple life?

Juja mit verzogenem Gesicht auf dem Schmutzfink über einen Wurzelteppich holpernd

Mitte April, jetzt also erster scharfer Einsatz, Deutschlandcup-Wochenende in Ostsachsen. Vor einer Woche haben wir die Rennradsaison gestartet und mein Unterboden leidet immer noch darunter, und die Mittelstrecke am Samstag bei Neugersdorf kommt dem nicht entgegen: es gibt Unmengen von Wurzeln in diesem Wald, kann man unmöglich alle wegfedern, also kriegt mein Unterboden ordentlich Prügel und ich muss immer mal jaulen. Aber zum Glück hab ich im Sport ja masochistische Tendenzen, kann also trotzdem die Sonne und das Rennen genießen – nachdem ich gleich am ersten Posten vorbeigefahren bin, ist das Hirn dann auch wach und kooperiert bis zum Schluss, und auf Platzierung musste ich gar nicht erst hoffen, denn wir sind fast in Tschechien und da wird das Treppchen verlässlich von Tschechinnen (und Anke) besetzt – die Hauptsache ist also das Kuchenbuffet, das war herausragend (“Da haste aber sehr dicke Stücke geschnitten.” – “Na wir nehmen ja auch EINEUROFÜNFZIG dafür!”).

Vielfach mit Ästern verlegter breiter Weg durch den Wald, sich entfernend ein kleiner Radfahrer

Sonntag gibt’s noch ne Langstrecke bei Hagenwerder, diesmal ohne Sonne und etwas kühler, aber es findet sich trotzdem Gelegenheit zum Schwitzen. Die Bahn ist anstrengend schön (zweimal schieb ich senkrecht hoch auf diesen Kackberg. Weil ich halt keine sinnigeren Hobbies hab), Ostsachsen ist landschaftlich reizvoll, nur menschenlandschaftlich leider nicht so: zwei Volltrottel haben auf der Schotterstraße im Norden zahlreiche Hindernisse gelegt, pöbeln mich im Vorbeifahren an, ich hör sie auch von weitem noch rumbrüllen und sie greifen andere Teilnehmer sogar mit ihren Walkingstöcken an, eh sie schließlich noch einen der Posten klauen; das beeinträchtigt erheblich meine gute Laune und auf der zweiten Runde wird meine Routenwahl auch davon bestimmt, diesen Kloppis möglichst nicht nochmal zu begegnen. Schade für das Rennen, das sonst ja sehr gut war – so gab’s statt Siegerehrung Zeugenbefragungen der Polizei, nun ja, Irma hat ja recht, Idioten gibt’s überall…

Are you ready to be glorious?

Juja steht mit Rad im Matsch neben einem Wäldchen, in dem sehr unauffällig ein Miniposten hängt, und grübelt: 'Hä, der muss doch ganz genau hier sein?

Achtung, dies ist eine Übung! Mal wieder Saisonstart im März. Zu früh für mich, um schon ernsthaft Rad gefahren zu sein, aber heut ist ja auch nur Sachsencup (Jugendrennen, die Erwachsenen fahren nur aus Spaß mit) im Wald bei Werdau. Das Wetter ist freundlicher als erwartet und in Winterkleidung wärmt die Sonne ausreichend, und auch die Karte der Offenen Klasse ist freundlich zum Hirn – ich neige ja eh dazu, schlechte Beine durch Forstautobahn zu kompensieren, und diese Taktik ist heute genau richtig, da komm ich also gut durch trotz der manchmal doch recht unauffällig gehängten Miniposten, die erst in 20cm Distanz ein Signal abgeben (zweimal hab ich, Präzisionsorientierung ahoi, praktisch auf dem Posten gestanden, ihn aber erst nach 10sek entdeckt). Mittelmäßiges Ergebnis, halt gleiche Wertungsklasse wie Anton, das konnte ja nur traurig enden (Justus: “Willkommen in meiner Welt!”), aber nun haben wir gut geübt und sind bereit für die kommenden Rennen.