Any day could be the last nice day for a long time.

Category: Irgendwas mit Startnummern

Moving up slowly

Doch nochmal MTBO 2020, hurra hurra! Der Harz-MTBO (5h Score) findet statt und diesjahr ist auch Justus fit und kann mit mir starten. Ziemlich früh am Tage starten, aber muss ja, wenn man fünf Stunden Rad fahren soll. Somit isses beim Aufwachen noch bisschen düster und kalt, zum Kaffeekochen vorm Zelt gibt’s kitschiges Morgenrot und als wir dann am Start stehen, scheint tatsächlich die Sonne für uns Glückspilze.

Die Karte gab’s schon am Vorabend, aber so genau haben wir das gar nicht mehr studiert, bringt eh nix. Leider haben wir auch die Hälfte unserer Utensilien daheim vergessen, weshalb Justus am Start mit einem Kuli aus dem Bodensatz seines Rucksacks Blindposten streicht, mehr Stifte haben wir nicht, ne Uhr hab ich auch nicht, und zudem hab ich mit der riesigen Karte, dem Wertungszettel und der Karte für die Sonderwertung (diesjahr: fünf Stempelstellen der Harzer Wandernadel besuchen, für alle zusammen gibt’s 125 Punkte, für einzelne Stempel gar nichts) ne ganze Menge Papier auf dem Kartenhalter und beschließe, dass Justus bestimmt richtig orientiert und ich nicht ständig umbaue und mitlese.

Justus orientiert hervorragend, auch wenn er zu landschaftlich reizvollen kleinen Rumpelwegen neigt, nur leider fahr ich mir gleich auf dem ersten Rumpelweg einen Dorn ein, sodass schon nach dem zweiten Posten eine kleine Bastelpause an meinem Hinterrad ansteht. Aber der neue Schlauch hält und das Wetter bleibt blendend, da ist für schlechte Laune kein Platz, weiter geht’s. Zwei Stempel geholt, dann kurz aufn Berg, in einem Wasserloch die obligatorischen nassen Eisfüße geholt und wieder runter, um schnell noch den Wanderposten abzupassen, Brötchenpause und wieder bergauf. Übrigens grassiert auch hier die Borkenkäferverwüstung und entsprechend von der Forstwirtschaft heimgesucht sehen manche Wege aus, aber da kann man sein Rad ja drumrum tragen.

Nach drei Stunden bin ich schon ziemlich im Arsch, das wird nicht allein an der Forstwirtschaft gelegen haben, aber hilft ja nix, weiter geht’s. Leider kann Justus mit meiner Langsamkeit nicht so recht kalkulieren und jetzt wär’s vielleicht doch gut gewesen, wenn ich mitgelesen hätte, denn wenn ich so lächerliche drei Zentimeter Weg auf der Karte seh, denk ich ja zuverlässig, das muss noch gehn. Stattdessen erzählt mir Justus was von Umwegen, ich erzähle ihm was von meinen toten Beinen und das führt dazu, dass wir dann wohl doch einige Punkte in sinnloser Defensive im Wald liegen lassen.

Schließlich geht’s vom vorletzten Stempelposten fast nur noch bergab, Justus sucht uns einen besonders hübschen Rumpelweg für die Abfahrt aus, worüber ich mich kurz freuen kann, dann aber ins Laub rutsche und mir dabei ein Stück Fahrrad gegen’s Knie haue. Sehr unnötig. Übertrieben vorsichtig weiter, trotzdem mit viel Puffer zurück in Weddersleben, schnell noch den Posten neben dem Ziel geholt, und das sorgte immerhin dafür, dass wir genau richtig mittelmäßig waren: als 29. des Gesamtrankings haben wir die Geigelwertung des 29. Harz-MTBO gewonnen. Nächstes Jahr dann die letzte Chance, uns entweder mal wieder aufs Treppchen zu arbeiten oder gleich den Kartoffelsack anzupeilen. Wir kommen gerne wieder!

Running up that hill

Es geht also auch schöner: nochmal OL, an der Hohen Warte bei Elgersburg, unter im Sturmwind schwankenden Borkenkäferfichten. Jaja, reine Laufveranstaltungen sind gar nicht mal mein Hobby, aber diesjahr nimmt man halt, was man kriegen kann. Und es konnte ja fast nur besser werden: am Vorstart stehen noch ein paar verspätete reife Himbeeren rum, der Wald ist gar nicht mal so steil und er enthält Wege, wunderbar grasige, laufbare, sichtbare Wurzelwege! Und sogar die Schneisen sind sichtbar, zählbar und manchmal sogar belaufbar! Ein Traum ist das hier. Gleich am ersten Posten bau ich bisschen Mist und treffe dabei Papa von Justus, der noch größeren Mist gebaut hat; dann muss ich noch die warme Jacke abwerfen, weil man beim Laufen halt doch nie friert, und dann geht’s konzentriert (ok, meine Denkpausen sind vermutlich bisschen lang, aber die Fehlerquote dadurch auch niedrig) vorbei an meinen vierzehn Posten und immer noch motiviert und gutgelaunt ins Ziel. Yay, so läuft das!

You can’t win

Meine letzten Joggs haben gezeigt: ich bin beim OL nicht langsam, weil ich schlecht orientiere. Sondern weil ich langsam bin. Und das kann ich hier eindrucksvoll beweisen. Beim Thüringer Ranglistenlauf Lang in Wolfersdorf muss ich eigentlich weniger Strecke und Höhenmeter zurücklegen als bei der Radebeuler Saisoneröffnung – 5,3km mit 220Hm sind angesagt, im ersten Überschwang kann man leicht auf die Idee kommen, das sei ganz entspannt zu schaffen, aber dann steht man da im Wald, hat ganze 30m joggend auf einem Weg zurückgelegt, und ab da geht’s querfeldein steil hoch und steil runter durch einen stark bewirtschafteten Wald, der in den seltensten Fällen belaufbar ist, jedenfalls mal nicht von mir. Die Karte gibt mir auch Rätsel auf, meine Auffassung von Hochwald ist anders und die Grenzen zum Dickicht sind nicht immer erkennbar, Schneisen sind in den seltensten Fällen richtig eingezeichnet und man kann sich auch nicht drauf verlassen, dass im Wald stehende Menschengruppen auf Posten hindeuten, vielleicht sind das auch einfach nur Pilzsammler (reiche Beute, selbst für Menschen ohne Pilzauge).

In einem kleinen Sumpf batsche ich mit beiden Füßen bis zum Knöchel in die Pampe, wenig später ist das Dickicht dann wirkliches Dickicht, quasi nur kriechend zu durchqueren. Meine Laune war schonmal besser, immerhin eint uns alle der Schmerz und mehr als einmal ist der Posten da, wo kurz vorher ein erschrockenes “Aua!!” herkam. Nix ist hier laufbar. Noch ne kleine Klettereinlage, Bachquerung mit Fußbad, und nach acht Posten erreiche ich dann erstmals einen Weg und hätte die Chance, mal mehr als 10m am Stück zu joggen, aber da bin ich schon viel zu fertig dafür, heute ist Wandertag. Es geht dann nochmal steil hoch, übrigens kann ich nicht mehr, ich prüfe schnaufend die Eignung des Bodens unter mir als Nachtlager. Ginge schon, wenn man die Kiefernzapfen bisschen wegräumt. Oben simple Posten und mehr Wege, die zu laufen ich kaum noch in der Lage bin, am vorletzten Posten verwechsle ich dann auch noch, wo ich grad hin will, ich bin echt durch, wanke grad noch zu den letzten zwei Posten und dann runter ins Ziel, ich möchte mich bitte nie mehr bewegen. Na jedenfalls nicht in der nächsten halben Stunde.