{"id":3222,"date":"2016-05-24T21:20:53","date_gmt":"2016-05-24T20:20:53","guid":{"rendered":"http:\/\/paintedhell.de\/blag2\/?p=3222"},"modified":"2025-10-09T15:24:44","modified_gmt":"2025-10-09T14:24:44","slug":"ich-wandre-ja-so-gerne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/paintedhell.de\/blag2\/?p=3222","title":{"rendered":"Ich wandre ja so gerne"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"wp-content\/uploads\/ssc137_1a.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"frameless\" \/><\/p>\n<p>Ein Marathon ist zu laufen. Der <a href=\"http:\/\/www.rennsteiglauf.de\/\" target=\"_blank\">Rennsteig<\/a> n\u00e4mlich. Weil&#8230; man so&#8217;n Marathon ja einmal im Leben laufen k\u00f6nnte. Und weil wir nur 7 km neben dem sch\u00f6nsten Ziel der Welt wohnen. Papi gibt Anfang M\u00e4rz das Go und zum Geburtstag kriegt er eine Startnummer. Und gleich noch eine zweite dazu, die ich mir dann auf den Bauch binde. Wennschon Marathon, dann <a href=\"?p=3004\" target=\"_blank\">zusammen<\/a>.<\/p>\n<p>Als ich vorm Rennen heimkomme, empf\u00e4ngt mich mein Papi mit \u00fcbersch\u00e4umender Motivation. Das kann nur gut sein, denn ich hatte eine \u00e4u\u00dferst schlechte Generalprobe, rechne fest mit allen m\u00f6glichen Katastrophen und f\u00fcrchte mich entsprechend. Aber wo ist denn auch der Nervenkitzel, wenn man vorm Start schon wei\u00df, dass man im Ziel ankommen wird? <\/p>\n<p>In der Nacht vorm Rennen schlafe ich ungef\u00e4hr so gut wie in den Vorweihnachtsn\u00e4chten meiner Kindheit, aber m\u00fcde w\u00e4r ich eh gewesen, denn der Wecker klingelt 5:15 Uhr, damit wir rechtzeitig zum Shuttlebus kommen. Offenbar bin ich die einzige, die den Plan hatte, im Bus weiterzuschlafen &#8211; alle anderen L\u00e4ufer sind hellwach und reden angeregt und lautstark \u00fcber ihre zweihundert bereits absolvierten Marath\u00f6nne und die dazu erforderliche Puls\u00fcberwachungs-GPS-Maschinerie. Immerhin in Neuhaus ist es bei unserer Ankunft noch angenehm ruhig, wir holen stressfrei die Startnummern und suchen uns dann erstmal ein Sonnenpl\u00e4tzchen zum Fr\u00fchst\u00fccken und Rumliegen, ehe wir uns schlie\u00dflich geruhsam in den hinteren Teil des Startbereichs begeben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"wp-content\/uploads\/ssc137_2a.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"349\" class=\"frameless\" \/><\/p>\n<p style=\"margin-top:20px;\">Nach dem p\u00fcnktlichen Startschuss w\u00e4lzt sich eine Wurst aus gut 3000 kleinen bunten Menschen langsam aus Neuhaus hinaus, diesen h\u00fcbschen Anblick hat man nur von hinten! Nach wenigen hundert Metern schlie\u00dft Ondra zu uns auf, die Unterhaltung f\u00fcr die n\u00e4chsten Kilometer ist somit gesichert. Bis mein Papi anh\u00e4lt, um seinen Schuh nachzuschn\u00fcren, wobei Ondra nach vorn verschwindet und nicht mehr gesehen ward. <\/p>\n<p>Aber Unterhaltung gibt&#8217;s auch so: in Friedrichsh\u00f6he begr\u00fc\u00dft uns die erste Blaskapelle mit dem Rennsteiglied, Chorleiter Schneider singt begeistert mit, Tochter vom Chorleiter Schneider hat leider leichte Textdefizite. Aber so reicht die gute Laune jedenfalls bis zur Turmbaude in Masserberg, wo von weitem schon Menschen in Qu\u00e4ldich-Trikots winken und gleich neben ihnen Jule uns begr\u00fc\u00dft und Tee ausschenkt. Zum Gl\u00fcck hatte ich kein Geld bei mir, denn Reinhards Angebot, mir f\u00fcr 40 Euro sein Rad zu geben, war an dieser Stelle schon ausgesprochen verlockend&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"wp-content\/uploads\/ssc137_2b.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"355\" class=\"frameless\" \/><\/p>\n<p style=\"margin-top:20px;\">Weiter geht&#8217;s zur Triniusbaude, durch den holperigen Hohlweg. In Gedanken sehe ich Ingolf vor mir, der mir tiefernsten Gesichts erkl\u00e4rt, dies sei &#8220;der neuralgische Punkt der Strecke&#8221;. Quark, das ist der Abenteuerspielplatz hier! Leider sind die L\u00e4ufer um uns rum wohl nicht mehr im Spielplatzalter, halten beim Anblick der ersten querliegenden Wurzel entsetzt an und trippeln vorsichtig bergab, und nur selten findet sich mal eine L\u00fccke, wo man einfach durchfetzen kann. Schade drum. <\/p>\n<p>An der Schwalbenhauptwiese treffen wir den QD-Support wieder, Reinhard sammelt von verzweifelten Marathonis Gebote f\u00fcr die Nutzung des Fahrradanh\u00e4ngers ein, l\u00e4sst sich dann aber doch nicht erweichen und f\u00e4hrt mit Manu und Resi wieder ab ins Tal. Wir haben indes die Halbzeit hinter uns, und da weder mein Fu\u00df noch mein Magen bislang ihre Schreckensszenarien ausbreiten, w\u00e4chst bei mir doch z\u00f6gerlich die Hoffnung, dass das was werden k\u00f6nnte. Immerhin wird die Heimstrecke nun immer heimischer und entsprechend greift auch wieder meine meisterhafte F\u00e4higkeit, L\u00e4ngen bekannter Strecken grotesk zu untertreiben: &#8220;Wenn wir erst in der Kahlert sind, sind wir doch dann auch fast schon daheim!&#8221;<\/p>\n<p>Nun&#8230; nicht so ganz. Hinter Neustadt kommt dann der b\u00f6se kleine Stieg, an dem wir schon vorher eine Wanderpause vereinbart hatten. Runter ist blo\u00df inzwischen genauso mies. F\u00fcr mich jedenfalls, Papi hat derweil andere Probleme, die er lieber f\u00fcr sich beh\u00e4lt&#8230; Am Dreiherrenstein d\u00fcrfte dann der Tiefpunkt erreicht sein: als Papi daheim anrufen will, muss er mich erstmal fragen, was wir nochmal f\u00fcr ne Telefonnummer haben. Dass er Mami verabschiedet mit &#8220;Wir leben noch, aber mehr auch nicht&#8221; sorgt zwar bei den L\u00e4ufern um uns herum f\u00fcr zustimmendes Gel\u00e4chter, hat aber auf der Gegenseite wohl doch leichte Besorgnis erregt&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"wp-content\/uploads\/ssc137_1b.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"367\" class=\"frameless\" \/><\/p>\n<p style=\"margin-top:20px;\">Aber egal, die Zahl der Restkilometer ist inzwischen einstellig, das kriegen wir hin! Auch wenn inzwischen jedes Loslaufen nach der Verpflegung zum schmerzhaften Abenteuer wird. Und auch wenn uns vor Frauenwald noch ein zus\u00e4tzlicher H\u00fcgel verg\u00f6nnt ist (grandios markiert: noch 80m&#8230; noch 70m&#8230; noch 60m&#8230;). Daf\u00fcr k\u00f6nnen wir&#8217;s dann an der letzten Verpflegung krachen lassen, Papi g\u00f6nnt sich Heimbringerbier, ich ergebe mich nun der Cola. Und auf einmal l\u00e4uft&#8217;s wieder! Und da war das 40-km-Schild! Un-fass-bar! Wir sind 40 km gelaufen! Und was man da h\u00f6rt, ist der Stadionsprecher von Schmiedefeld! Wir schaffen das, ohne Schei\u00df, wir schaffen es tats\u00e4chlich!<\/p>\n<p>In Schmiedefeld dann ein letztes Mal Brust raus und Backen zusammen, es gilt, den Schlussanstieg zum Sportplatz halbwegs agil zur\u00fcckzulegen, man wei\u00df ja nie, wer einen da alles kennt. Irritierenderweise kennen die mich alle, st\u00e4ndig ruft irgendwer &#8220;Super Juja!&#8221; &#8211; ach ja, mein Name steht auf der Startnummer. Und ein paar kennen mich ja auch wirklich. Meiner Mami f\u00e4llt an dieser Stelle wohl ein Stein vom Herzen, dass sie uns ganz intakt einlaufen sieht statt wie vermutet im soeben nahenden Rettungswagen&#8230; <\/p>\n<p>Noch eine finale Stadionrunde, Siegerpose formieren, der Sprecher schafft es sogar halbwegs, &#8220;Schleusingerneundorf&#8221; rechtzeitig und korrekt abzulesen, und auf einmal haben wir den Marathon geschafft! Tats\u00e4chlich! Yaaay! Meine erste Aktion ist, meine Schuhe von mir zu werfen und den F\u00fc\u00dfen Luft zu g\u00f6nnen, Papi mag nicht und zeigt mir daheim den Grund daf\u00fcr: er hatte seit gut 30 Kilometern eine praktisch kindskopfgro\u00dfe Blase unterm Fu\u00df. Un-fass-bar. Nu reicht&#8217;s.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Marathon ist zu laufen. Der Rennsteig n\u00e4mlich. Weil&#8230; man so&#8217;n Marathon ja einmal im Leben laufen k\u00f6nnte. Und weil wir nur 7 km neben dem sch\u00f6nsten Ziel der Welt wohnen. 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